Die in der Popmusik so wohlbekannte Kombination von Stimme und Gitarre ist in der „klassischen Musik“ zwar nicht unbekannt, nimmt aber im Vergleich zum Klavierlied heute eine Sonderstellung ein. Dabei kann diese Besetzung auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon in der Renaissance bildete das Sololied zur Laute oder Vihuela einen wesentlichen Bestandteil der höfischen Musikkultur. Wir spielen aus dieser Epoche Werke von Alonso Mudarra und Enriquez de Valderrábano, die die Singstimme in ein polyphones Stimmengeflecht einbetten.

 

An der Schwelle zum Barockzeitalter stehen die Songs und Airs von John Dowland. Die Musik entwickelt sich hier dichter am Text und zeichnet seine Bedeutung mit rhetorischen Figuren nach, was die Musik theatralischer werden lässt. Auch hier ist die Lautenstimme voll von Imitationen und textausdeutenden Elementen. Dowland ist besonders für seine dunklen, melancholischen Stücke bekannt.

 

In unserem Programm „In darknesse let me dwell“, stellen wir diese Stücke in einen fast zeitgenössischen Kontrast. Das „Nocturnal“ von Benjamin Britten verarbeitet musikalisches Material des Songs „Come heavy sleep“ von John Dowland. Diese Verbindung lässt die heutige Gültigkeit der in beiden Werken verarbeiteten Erfahrung hervortreten. Die lebens- und sinnenfrohen Stücke Dowlands zeigen in ihrer detaillierten Gestaltung eine andere, überschwängliche Seite seiner Zeit.

 

Während der Zeit der Klassik und besonders in der Romantik wird die Gitarre zunehmend vom Klavier verdrängt. Allerdings hat sie zu allen Zeiten ihre Bewunderer gehabt. Besonders die spanische Musik der Romantik und des 20. Jahrhunderts ist stark von der Klangästhetik der Gitarre geprägt, auch wenn viele Kompositionen für Klavier oder Orchester gesetzt sind. Issac Albeniz soll die Transkriptionen seiner Stücke für die Gitarre den eigenen Fassungen für Klavier vorgezogen haben. Insofern betonen die Bearbeitungen der „Siete canciones populares españolas“ von Manuel de Falla für Gitarre Klangideale, die in den Stücken ohnehin angestrebt werden. Sowohl im Text, wie auch in der teilweise reich verzierten Melodik wird hier der orientalische Einfluss in der spanischen Musik hörbar. Gleichzeitig ist die Musiksprache de Fallas durch Stilmittel des 20. Jahrhunderts geprägt. Der Dichter Federico García Lorca hat Volksweisen gesammelt und selbst für Klavier ausgesetzt. Auch hier liegt der Bezug zur Gitarre – als „Instrument des Volkes“ - eigentlich näher. Die Begleitungen der Lieder wurden von verschiedenen Herausgebern recht unterschiedlich gestaltet und auch wir gehen mit der Vorlage frei um.